Geschichte des B.V. Westfalia Wickede
- Historie des Vereins / Teil 2 -
Am 08. Mai 1945 war der grausame Krieg beendet. 28 unserer Spieler und manches treue Mitglied waren zu Tode gekommen. Viele hatten schwere Verletzungen davon getragen, die eine sportliche Betätigung nicht mehr zuliessen. Doch allen Schwierigkeiten zu Trotz wurde bald mit dem Wiederaufbau des Spielbetriebes und des Vereinslebens begonnen. Die „alten Braven“ wie Karl Lohrmann (sen.), Otto Kaiser, Rektor Thörner u.a., stellten sich wie selbstverständlich zur Verfügung und bemühten sich wieder ein geregeltes sportliches und geselliges Vereinsleben in Gang zu bringen. Der Sommer des Jahres 1945 ging zu Ende und schon lässt sich von den ersten Spielen einer Senioren- und Jugendmannschaft berichten. Ein ordentlicher Vorstand war noch nicht gewählt. Karl Lohrmann (sen.) zeichnete in dieser sogenannten „Besatzungszeit“ (Dortmund gehörte zur englischen Besatzungszone) als „Vereinsleiter“ verantwortlich. Viele Schwierigkeiten stellten sich den Männern der ersten Stunde in den Weg. So gab die damaligen Militärregierung ihr „o.k.“ nur zur Neuerstehung von Arbeiter- und DJK-Sportvereinen.

Zu Beginn des Jahres 1946 fanden sich 47 Mitglieder, die Mitgliederkartei registriert insgesamt eine Mitgliederzahl von 64 Mitgliedern, in der Gaststätte Grewe (heute Gasthaus Kessel) zusammen und riefen, die Sportgemeinschaft Wickede (SG Wickede) mit dem Gedanken ins Leben, einen neuen Grossverein zu gründen. Es sollten die Sportarten Fuss-ball, Feldhandball (an Hallenhandball dachte noch keiner) und Leichtathletik betrieben werden. Eine Turnerriege fehlte zwangsläufig, da keine Geräte und auch keine Turnhallen zur Verfügung standen. Die damalige Militärregierung und die zuständige Stadtverwaltung stimmten dieser Vereinsgründung zu. Zum 1. Vorsitzenden wurde Dr. Erwin Peter, später Ehrenvorsitzender, berufen. Ihm standen zur Seite: Emil Bleidick (Kassierer), Erich Facius (Geschäftsführer), August Patzkowski (Fussballobmann), Robert Grewe (Ballwart und Vereinswirt) und August Sieg (Platzwart).
Aus dieser Zeit hat uns Erich Facius folgendes hinterlassen: Der Spieler Heinz Claßen „besorgte“ über seinen Vater (Betriebsratsvorsitzender einer Zeche) einen ganzen LKW mit Anhänger voller Koks. Werner Rabbelt, Amtsperson der städt. Verwaltung und Vereinsmitglied, stellte die erforderliche Transportgenehmigung aus, damit am Karfreitag des Jahres 1947 der „Kohlenzug“ in Begleitung der Vereinsoffiziellen, E. Facius und W. Rabelt, in Richtung Bielefeld. Im Schweisse ihres Angesichts luden sie die kostbare Fracht in der „Seidenstadt“ ab. Im Tausch gegen die kostbare Fracht erstanden sie sie-ben komplette Kluften. Die notwendigen Fussballschuhe mussten aus anderen Quellen im sogenannten Tauschhandel gegen Spirituosen der Marke „Fusel Eigenbrand“, Bohnenkaffee und Zigaretten (das Stück RM 10,00 für eine Ami) oder auch Fleisch und Kartoffeln aus eigener Herstellung, erstanden werden. Mit der Tauschware Lebensmittel wurden die Sportler in grossem Masse von der Wickeder Landwirtschaft „gesponsert“. Aber auch mit normalen Strassenschuhen wurde gekickt. In der noch fernsehfreien Zeit, in einer Zeit fast ohne Auto, in einer Zeit ohne Elektronikunterhaltung war der Sport die Nr. 1 an Unterhaltung und man tat fast alles dafür.
Im Jahre 1946 gründete sich der heutige Fussballkreis Dortmund. Die Einteilung der Vereine in die verschiedenen Leistungsklassen sah die SG Wickede in der 1. Kreisklasse. 1948 wurde eine Generalversammlung in die „Gaststätte Kohlmann“ (später „Gaststätte Jürgens“), Wickeder Hellweg, einberufen. Auf Wusch vieler ehemaliger Westfalia-Sportler stellte der Sportkamerad Gerd Stolty einen Antrag, den ursprünglichen Vereinsnamen wieder anzunehmen, um die noch abseits stehenden ehemaligen Mitglieder, Freunde und Gönner des traditionsreichen „Ballsport Vereins Westfalia“ wieder zur Mitarbeit anzuregen. Der Antrag wurde mit grosser Stimmenmehrheit angenommen. Es gab ihn wieder, den BV Westfalia 1910 e.V.. Danach, im Jahre 1949, machten sich die Ehemaligen des TV Arminius auch wieder eigenständig und gründeten ihren alten Verein neu, den TV Arminius von 1848.
