Geschichte des B.V. Westfalia Wickede
- Historie des Vereins / Teil 1-
Die ersten Freundschaftsspiele des neuen Vereins gab es gegen umliegende Vereine, wie Unna 08, Asseln und Brackel. Siege verzeichnete man nur wenige. Aller Anfang war auch für die junge Westfalia schwer und Lehrgeld musste man eben auch zahlen. Als aber im Jahr 1911 der Verein den Spielpartner „Concordia Asseln“ mit 9:1 Toren bezwang, konnte man gleich fünf Asselner Spieler (W. Vorbusch, E. Sundhoff, H. Gräve und die Gebrüder Drehes) als „Beute“ mit nach Hause nehmen und in die eigene Mannschaft einreihen. Grosser Formalitäten für eine Spielberechtigung bedurfte es zu dieser Zeit noch nicht. Nach Auflösung des Fussballvereins „Kreta“ und Einreihung der Spieler in unsere Westfalia, entschied man sich für ein neues Vereinslokal. Die Wirtschaft „Vahlenkamp“, im östlichen Teil von Wickede gelegen, beheimatete nun den Verein. Zum 1. Vorsitzenden wurde der Sportkamerad Kemper gewählt. Ab dem Jahr 1912 spielte man erstmals in der C-Klasse um die Meisterschaft. Bis 1914 gehörte der Verein mit wechselndem Erfolg dieser Klasse an. Im frühen Sommer des Jahres 1914 verzeichnen die Vereinsannalen die Erringung der 1. Meisterschaft und damit den Aufstieg in die B-Klasse. Mit Beginn des 1. Weltkrieges, im August 1914, mussten viele der Aktiven ihre Zivil- und Sportbekleidung mit der Uniform tauschen. Immer weniger der jungen Aktiven blieben in der Heimat und so kam der Sportbetrieb im Jahre 1916 ganz zum Erliegen. Wer dennoch als nicht „Kriegsverwendungsfähig“ in der Heimat bleiben durfte, schloss sich dem SV Brackel 06 an. Kurz nach Ende des Krieges, im November 1918, wurde die Ver-einsarbeit wieder aufgenommen. Inzwischen hiess das Vereinslokal Kühner (Ecke Wickeder Hellweg – Dollersweg), dass in den 60ziger Jahren der Verkehrsplanung weichen musste.

Dort spielte man mit wechselndem Erfolg gegen solche Vereine wie: SV Hamm, Lippstadt, Unna 08, Heeren, Erkenschwick, Hüls, Preußen Münster u.a., bis nach Ende der Spielzeit 1933 der Aufstieg in die Ligaklasse gelang. Entscheidend dafür war der Sieg über den Verein Hüls (in Hüls), von dem heute noch lebende Mitglieder und Fans in lebhafter und schwärmerischer Erinnerung schwelgen.Von Herbert Tillmann, Vorsitzender des BVW von ???? – ????, wissen wir, dass Metzgermeister Steinweg (heute Sprenger) einen LKW für die Beförderung der Schlachtenbummler zur Verfügung stellte. Als Wegzehrung gab es Fleischwürste und „Flachmänner“ die die Runde machten und den eisigen Wintertag vergessen liessen. Eine vieltausendköpfige Zu-schauermenge folgte mit anderen Gefährten dem Zug nach Hüls. Von der Westfalia Elf die zum alles entscheidenden Spiel antrat sind uns heute noch folgende Spieler bekannt: G. Strumann, W. Landfester, H. Bleidick, R. Rosenberg, H. Steinhoff, O. Siek-mann, A. Wetzel, Z. Gerlach, K. Landfester und R. Bücher. Der gleichwertige Gegner kämpfte mit grossem Elan. Es gelang unserer Mannschaft jedoch, das einzige Tor des Spiels zu erzielen. Ein weiter Abschlag von Torwart Strumann erreichte Heinz Bleidick. Dieser zog auf und davon. Sein Volleyschuss zum 0:1 hatte Bestand bis zum Spielende. Der BV Westfalia erlebte mit diesem Aufstieg den grössten sportlichen Erfolg seiner 23jährigen Geschichte. Die siegreichen Rückkehrer erlebten ein auf dem Kopf stehendes Dorf Wickede, welches die Siegesnachricht direkt nach Spielende mittels Brieftauben erhielt. Im zwischenzeitlich zum Vereinslokal gewählten „Haus Stiepelmann“ wurde bis in die frühen Morgenstunden gefeiert.Zur Geschichte der 20er Jahre sei noch nachgetragen, dass auch die Leichtathletik erfolgreich betrieben wurde. Hier sei nur an die Erfolge aus den Jahren 1920 – 1924 erinnert. Damals erreichten unsere Leichtathleten in Ausscheidungskämpfen gegen die Vereine Unna 07 und Sp.V. Hamm die Gaumeisterschaft des Turngau Westfalen. Das Feldhandballspiel hatte auch zu manchen Zeiten eine gute und erfolgreiche Pflegestätte in unserem Verein gefunden. In Erinnerung geblieben ist der lange Strumann (morgens Handball, nachmittags Fussball). Im Frühjahr 1933 gehörte er gar zur Handballmannschaft, die in Ostwennemar (Hamm) Gaumeister des Gaues Westfalen wurde. Große sportliche Meriten erwarb sich in den 30iger Jahren, Otto Kaiser (Friseurmeister im gleichnamigen Betrieb heute Silvelie Krause-), als Oberligaschiedsrichter des westdeutschen Handball Verbandes. Auch die Damen Handballerinnen des Vereins gelangte zu sportlichen Ehren. Es wird von Siegen gegen den DSC 95 (Ruhr-Gaumeister) und der Sp.V. Hamm (Westfalenmeister) berichtet. Die Spielerinnen Bönninghausen, Wagner und Kaiser standen sogar in einer Kreis- und Stadtauswahlmannschaft. Selbst Frau „Musica“ fand in den guten, alten Zeiten eine liebevolle Aufnahme. Die Chronik berichtet von einem Doppelquartett, welches zur Geselligkeit beitrug und oft zu Feierlichkeiten der Vereinsfamilie aufspielte.Die Machtergreifung Hitlers, am 30. Januar 1933, hatte auch im örtlichen Vereinsleben so manche Veränderung zur Folge. Viele Vereine mussten ihre Selbständigkeit aufgeben. So kam es auch zur Auflösung des Arbeiterturnverein (2. Wickeder Fussballverein). Viele dieser Sportler (u.a. August Merkord und August Patzkowski) schlossen sich unserem Verein an. Der Anschluß des TV Arminius (1937) führte zur Namensänderung in den Verein für Leibesübungen von 1884 (VfL 1884), Dortmund-Wickede. Die Einteilung des Vereins in den neu gebildeten Sportgau östliches Ruhrgebiet, erwies sich als ungünstig für unseren Verein. Den sportlich starken Vereinen des Gaues wie: BV Borussia, Allemania 97 Dortmund, Preußen und Linden-Dahlhausen (Bochum), konnte keine gleichwertige Mannschaft entgegen gestellt werden. Der Abstieg ließ sich nicht aufhalten. In Erinnerung an die Spiele dieser Zeit ist ein Spiel gegen den BV Borussia 09, das im Pappel-Stadion mit 2:3 verloren ging und in dem August Lenz (BVB) kurz vor Spielende den heute noch diskutierten Elfmeter verwandelte. Augenzeugen berichten von einer sogenannten „Schwalbe“. Nach Abpfiff des Spieles verliess der Elfmeterschütze fluchtartig den Sportplatz über den angrenzenden Schulhof. Er ahnte sicherlich nichts Gutes, weil er durch seine Elfmeterschinderei die Gemüter der heimischen Anhänger in Rage gebracht hatte. Der nahe Kriegsbeginn zeichnete sich ab. Viele Aktive wurden zum Arbeitsdienst oder zu den Waffen gerufen. Das schwächte die Mannschaft derart, dass auch die seierzeitige Leistungsklasse nicht mehr erhalten werden konnte. Der Beginn des 2. Weltkrieges, am 1. September 1939, machte alle Vereinsarbeit zu nichte. So musste z.B. unser Nachbarverein aus Asseln 1940 den Spielbetrieb kriegsbedingt einstellen. Die verbleibenden Spieler schlossen sich unserem, nun VfL 1884 genannten Verein an.Das letzte Spiel der 1. Mannschaft fand im Jahr 1942 mit einem nochmaligen Höhepunkt statt. Im „Westdeutschen Fussball-Pokal“ hiess der Geg-ner unserer Mannschaft VfL Bochum. In der Verlängerung musste sich das BVW Team mit 2:3 Toren geschlagen geben. Bei einem Sieg wäre der BV Westfalia in das Endspiel gegen den FC Schalke 04 eingezogen. Ein erfolgreicher, sportlicher Abschluss in der Zeit eines brutalen Völkermordens.